Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Maria Pilar, Mitgründerin von CERNE in Chimaltenango. Sie starb am 3. Januar 2026 im Alter von nur 65 Jahren. Die gelernte Hebamme war eine bewundernswerte Frau, die sich ihr Leben lang für die Rechte der indigenen Bevölkerung Guatemalas eingesetzt hat. Ihr Herz schlug besonders für die Kinder, die ihr ins Gesundheits- und Ernährungszentrum CERNE gebracht wurden und um die sie sich wie eine Mutter kümmerte. Deshalb nannten sie alle Madre Pily. Ihre Liebe und Sorge für die Kleinsten war grenzenlos. Sie setzte sich ebenso für die Mütter ein für die Gesundheitsversorgung von Schwangeren und für bessere Bildungsmöglichkeiten.
Ihr Leben und ihr Engagement waren von einer tiefen spirituellen Überzeugung gerägt, dass jedes Leben und Mutter Natur heilig sind und dass eine gerechtere Welt möglich ist, wenn Menschen bereit sind, solidarisch zu sein und zu handeln. Madre Pily war mutig und erhob ihre Stimme, auch wenn ihr Widerstand entgegenschlug.
Sie hinterlässt eine große Lücke – aber auch ein starkes Vermächtnis. Ihr Leben ist Auftrag und Ermutigung zugleich: nicht müde zu werden, Ungerechtigkeit zu benennen, die Schwächsten zu schützen und das Leben in all seinen Formen zu verteidigen.

Ihr Einsatz wirkt weiter in den Herzen der Menschen, die sie begleitet hat, und in all jenen, die ihren Weg in Solidarität und Mitmenschlichkeit fortsetzen.
Für unser Buch „Die Kinder der Finca Florencia“ hat uns Madre Pily im Jahr 2013 ein paar Zeilen geschrieben. Darin wird klar, was diese resolute und warmherzige Frau in ihrem Leben miterlebt, bewegt und bewirkt hat:
„Ich wurde am 12. Oktober 1960 in der Gemeinde Palencia, Guatemala, geboren. Mein Vater heißt Clemente Ramirez, meine Mutter Eufemia Rodriguez, wir sind sieben Brüder und Schwestern. Ich war ein Jahr alt, als meine Eltern nach Pochuta gingen, um auf der Finca Florida zu arbeiten. Später verließ mein Vater das Gut mit uns, da es Probleme gab und Arbeiter misshandelt wurden. Wir zogen nach Antigua, wo wir die nächsten fünf Jahre lebten. Ich ging nur drei Jahre zur Schule, obwohl ich immer gerne gelernt habe. Mein Vater wollte nicht, dass ich weiter zur Schule ging. Ich fing mit neun Jahren an, auf einem Gut zu arbeiten.
Ich lernte meinen Mann kennen und heiratete ihn, als ich 16 war. Er heißt Domingo Gonzalez Hoj. Wir bekamen 3 Kinder: Sara Maribel, Mario Rene und Norma Lorena. Ich war 25, als ich die Ausbildung zur Gesundheitshelferin begann. In Pochuta gab es kein Trinkwasser, nur vergiftete Flüsse. Weil es keine Toiletten oder Latrinen gab, mussten die Menschen ihre Geschäfte unter freiem Himmel erledigen und scheuchten die Schweine, die die Exkremente fraßen mit einem Stock weg. Ich nahm mir vor, die Situation zu ändern und bat den Verantwortlichen für Gesundheitsfragen mir zu helfen. Er sagte mir, dass ich das mit der ganzen Gemeinde organisieren müsse. So riefen wir ein Verbesserungskommitee ins Leben und schafften es, die Situation zu verändern. Heute verfügen wir über Trinkwasser mit Chlorbeigabe, elektrischen Strom, Abwasserkanäle, eine kleine dem Heiligen Sankt Anton von Padua gewidmete Kapelle und eine gepflasterte Straße.
Ich war 28 Jahre alt, als wir zusammen mit Schwester Sor Maria Mejia Xòy und 20 Helferinnen und Helfern CERNE gründeten. Wir fingen mit drei Betten für Erwachsene, fünf Betten für Kinder und einer kleinen Apotheke an. Nach einem Jahr hatten wir bereits 16 Kinder und es war wirklich schlimm in dieser Zeit. Die Kinder kamen in sehr schlechtem Zustand und stark unterernährt zu uns. Medizinisch kannte ich mich noch nicht gut aus und so schickte mich Schwester Sor Maria vier Jahre lang zum Studium, damit ich mich über die in Guatemala vorherrschenden Krankheiten weiterbildete. Mir wurde bewusst, dass auch in anderen Orten Guatemalas ganz besonders die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner ungerecht behandelt werden, und dass es überall Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Fincas gibt.
Mein Herz schlägt für die Ärmsten, vor allem die Kinder, die Frauen und die Alten. Es tut mir sehr weh, dass einige so viel haben, dass sie sogar Nahrung wegschmeißen, während andere hungern und nicht genug zum Leben haben.
Ich kann Ungerechtigkeit nicht mit ansehen und habe deshalb schon bei vielen Gelegenheiten meine Stimme erhoben, auch wenn das anderen Menschen häufig nicht gefällt. Das ist mir egal, denn so lange es Leben gibt, werde ich es weiterhin schützen und verteidigen.
Meine Hoffnung für die Zukunft ist, dass Guatemala sich verändert. Wenn es bessere Bildungsmöglichkeiten für Jugendliche und Kinder gibt und wenn mehr Menschen von unserer Arbeit erfahren uns uns helfen, werden wir uns hoffentlich von unserem Egoismus und dem Mangel an Nächstenliebe befreien. Durch die Verbesserung der Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, des Gesundheitssystems und vor allem durch mehr Respekt vor Gott, unserem Schöpfer, hoffe ich, dass wir ein Gleichgewicht schaffen werden zwischen den Menschen und unserer Mutter Erde.
Danke Hope Guatemala und Nuevo Dia.
Gott schütze sie alle für immer.“
- Mitgründerin von CERNE, Madre Pily, kümmert sich liebevoll um jedes unterernährte Kind , das Familien ihr bringen.


